Berlin mondiale 2014

Mit dem Projekt Berlin Mondiale setzt sich der Rat für die Künste Berlin in Kooperation mit dem Kulturnetzwerk Neukölln e. V. und mit beratender Unterstützung des Flüchtlingsrats Berlin e.V. für die Rechte hier ankommender Flüchtlinge ein und möchte damit zur Verbesserung ihrer Lebensumstände beitragen.

Berlin Mondiale bringt Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Fluchthintergrund und Berliner Akteure aus Kunst und Kultur – und damit Künste und Kulturen aus aller Welt – zusammen. Kreative Begegnungen, die sowohl in den Flüchtlingsunterkünften als auch in den Kultureinrichtungen stattfinden, werden ermöglicht.

In der Zeit, die Flüchtlinge gezwungen sind, in Sammelunterkünften zu leben, möchte Berlin Mondiale dazu beitragen, ihre Isolation aufzubrechen und sie als gleichberechtigte Mitglieder unserer Gesellschaft in die Stadt hinein zu holen. Aus den Begegnungen können neue Möglichkeiten entstehen, die über einen kreativen Rahmen hinausgehen und zu Veränderungen der Lebensbedingungen, z.B. der Wohnsituation, für Flüchtlinge beitragen.

Zunächst bis Mai 2015 erproben die ProjektteilnehmerInnen Kooperationsformen sowie Inhalte und Themen ihrer Zusammenarbeit. Gemeinsame experimentelle Aktionen und Workshops sollen sich in langfristigen Formen der Zusammenarbeit verstetigen.

Berlin Mondiale ist ein Projekt des Rates für die Künste Berlin in Kooperation mit dem Kulturnetzwerk Neukölln e.V. Mit beratender Unterstützung des Flüchtlingsrats Berlin e.V. Gefördert durch den Projektfonds Kulturelle Bildung Berlin.

 

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Statement des Flüchtlingsrates Berlin e.V.

Flüchtlinge leben in Deutschland zwischen Hoffen und Bangen, ob sie einen längerfristigen oder dauerhaften Aufenthaltstitel erhalten oder das Land wieder verlassen müssen. Ihr Leben als Asylsuchende bestimmen eigens für sie geschaffene EU-Richtlinien, nationale Gesetze, Vorschriften und Regeln. Der ihnen zugebilligte Aufenthaltsstatus wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus und schlägt sich in vielfältigen Beschränkungen nieder. Die Arbeitsaufnahme ist beschränkt bis rechtlich oder tatsächlich ausgeschlossen. Den Lebensunterhalt der Flüchtlinge stellen deshalb Sozialhilfeleistungen sicher. Die Menschen werden dadurch zu Fürsorgeempfängern gemacht. Sie erhalten Leistungen auf Hartz-IV-Niveau und eine deutlich eingeschränkte medizinische Versorgung. 

In einem besonderen Verfahren werden Asylsuchende und illegal eingereiste MigrantInnen auf die Bundesländer verteilt. Den Wohnort dürfen sie nicht selbst wählen, auch wenn sie Verwandte oder Bekannte in Deutschland haben, die Residenzpflicht schränkt die Bewegungsfreiheit zusätzlich ein; ebenso wenig können sie die Unterkunft frei wählen. Die Zuweisung von Aufenthaltsort und Unterkunft sowie die Beschränkungen dort empfinden fast alle  als eine Verletzung des  ‘Rechts auf die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit’ (Art. 2 Abs. 1 GG). Das gilt für die Erstaufnahme-Einrichtungen mit Vollverpflegung, wie auch anschließend in den Sammelunterkünften, wo jeweils von einer größeren Personenzahl gemeinschaftlich genutzte Küchen und Sanitäreinrichtungen sowie Mehrbettzimmer das Gefühl von Privatheit nicht aufkommen lassen. Die räumliche Enge und fehlenden privaten Rückzugsmöglichkeiten stellen für viele eine große Belastung dar – körperlich wie seelisch.

Von Rechts wegen dürfen Flüchtlinge in Berlin nach dreimonatigem Aufenthalt in einer Erstaufnahme-Einrichtung eine Wohnung zu beziehen. Mit dieser nicht stigmatisierenden, zudem viel preiswerteren, Alternative wären viele Probleme gelöst. Der angespannte Berliner Wohnungsmarkt und manche Vorurteile von Wohnungsvermieter*innen, denen von offizieller Seite kaum entgegengetreten wird, machen die Wohnungssuche jedoch schwierig.

Die Sammelunterkünfte können sich je nach Betreibergesellschaft in Ausstattung und Umgang mit den BewohnerInnen stark unterscheiden. Für alle gilt im Prinzip: pro Person sind 6 qm Wohnraum vorgesehen, Familien erhalten entsprechend ihrer Personenzahl zusammenhängende Räume; Einzelpersonen teilen sich ein Zimmer mit zwei bis vier Fremden, nach Geschlechtern getrennt. Eingangskontrollen durch das Wachpersonal und Videoaufzeichnungen auf den Fluren sind weit verbreitet und vermitteln den Eindruck ständiger Überwachung. Rigides Klopfen an der Zimmertür mag manchen daran erinnern, wie brutal ihn die Polizei von zu Hause abgeholt hat.

Umso mehr weiß der Flüchtlingsrat Berlin das Engagement und die Offenheit der am Projekt Berlin Mondiale beteiligten Flüchtlingsunterkünfte und Kunst- und Kulturinstitutionen zu schätzen. Die entstehenden Kooperationen setzen sich für die Rechte der hier ankommenden Menschen ein und helfen ihre Lebensumstände erträglicher zu gestalten und die Isolation in den Sammelunterkünften aufzubrechen. Die Zusammenarbeit gibt ihnen ein Stück  Normalität und selbstbestimmtes Leben zurück. Sie ermöglicht intensive Kontakte zur Aufnahmegesellschaft. Und sie eröffnet allen Projektbeteiligten die Chance, gleichberechtigt mit- und voneinander zu lernen und etwas Gemeinsames zu gestalten.

Wir sind gespannt auf die Ergebnisse, die uns alle erwarten.

Monika Bergen (Vorstandsmitglied Flüchtlingsrat Berlin e.V.)

 

Letters home

Eine Zusammenarbeit von jungen BewohnerInnen aus der Motardstraße sowie Mitglieder des Refugee-Clubs mit dem Internationalen JugendKunst-Kulturhaus Schlesische 27, in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendtheaterbüro Berlin (JTB).

Berlin ist hip und voll von Touristen und BesucherInnen. Unzählige Reiseführer bedienen beflissene BildungsbürgerInnen und KunstliebhaberInnen genauso wie SzenegängerInnen und polyglotte AussteigerInnen. In unserer Stadt – wenn in der Regel auch nicht in der Nähe der Topsehenswürdigkeiten – leben aber auch tausende junge Flüchtlinge. Gemeinsam mit ihnen und einem interdisziplinären KünstlerInnen-Team möchten wir eine Sammlung von ganz eigenen Blicken auf die Stadt entwerfen. In Letters home erzählen die jungen NeuberlinerInnen vom Hier und Jetzt – von ihrem Leben in Deutschland und der Wahrnehmung Berlins als neuem – zumindest temporären – Wohnort.  Die entstehenden Video-Postcards und theatralisch performativen Arbeiten reflektieren dabei weniger das standardisiert thematisierte „Flüchtlingsdasein“ als Begebenheiten, Merkwürdigkeiten und Alltag in Berlin. Im Zentrum also, statt der stereotypen Frage „Woher kommst Du?“, ein „Wo bist Du? und „Wie sieht es da aus?“ – Schreiben nach Hause, für ein Berliner Publikum.

 

Künstlerische Leitung

Hanna Mindermann / Nils Steinkrauss (Schlesische27)
Ahmed Shah (JTB/Refugees Club)
Hussam Ghosheh

PartnerInnen

Junge BewohnerInnen aus der Motardstraße sowie Mitglieder des Refugee-Clubs
Barbara Meyer (Geschäftsführung Schlesische27)
Nadja Grassamen (JTB / Refugees Club/RCI)
Lena Trunk (JTB / Refugees Club/RCI)
Maryam Grassmann (Sozialarbeiterin Motardstraße)

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